Die Rede ist hier von Franz-Dieter Linnarz und Hans-Richard Hohoff


Die beiden Lüdenscheider erwarben im Jahr 1964 ihr erstes Motorradgespann von dem Adenauer Toni Schmitz.

Abflug 1

Bei diesem Renngespann handelte es sich um eine BMW mit einem 500 ccm RS Motor. Die erste Rennsaison begann im Jahr 1965. Hier mussten die beiden ihrer Unerfahrenheit Tribut zollen und die Erfolge hielten sich noch in Grenzen. Dennoch sprang in diesem Jahr der erste Sieg heraus - und das auf dem legendären Nürburgring.

Kaum im Rennzirkus angekommen war im Jahr 1966 eine Rennpause notwendig. Franz-Dieter Linnarz legt seine Meisterprüfung ab und Hans-Richard Hohoff übernimmt eine Tankstelle an der Altenaer Str. in Lüdenscheid.

Herbstpokal

Trotzdem waren die Lüdenscheider in Sachen Motorsport weiter aktiv.
Nicht auf der Rennstrecke, dafür umso mehr im Hintergrund - mit der Vorbereitung auf die Saison 1967. Max Deubel, mehrfacher Deutscher- und Weltmeister, hatte seine aktive Karriere als Rennfahrer beendet. Diese Gelegenheit packten Linnarz/Hohoff beim Schopf und kauften das Renngespann von Deubel. Benötigt wurden bzw. verwendbar war aber im Wesentlichen nur der Motor und das Getriebe. Hintergrund: Deubel fuhr ein Gespann mit Seitenwagen auf der rechten Seite, Linnarz/Hohoff mit Seitenwagen auf der linken Seite.

Siegerehrung

Siegerehrung
zum
Juniorenpokal
1967,
BMW-Werk,
München

 

 

Von unschätzbarem Wert war in diesem Zusammenhang, dass Max Deubel die Lüdenscheider Rennfahrer mit seinem langjährigen Werksmechaniker, Gustl Lachermayer, zusammen brachte. Lachermayer kannte wie kein zweiter den RS Motor und übernahm, immer dann wenn Probleme auftraten, die Betreuung des Motors. Die Basis war nun geschaffen und 1967 ging es auch so richtig los.

Von Beginn der Saison an lagen die Lüdenscheider Rennfahrer im Klassement mit vorne dabei und bereits vor dem letzten Rennen der Saison stand der Titel „Deutsche Juniorenmeister 1967“ für Franz-Dieter Linnarz und Hans-Richard Hohoff fest. Der Saisonabschluss auf dem Nürburgring war also nur noch eine reine Formsache. Eigentlich. Das Rennen verlief perfekt und weit in Führung liegend rasen die beiden auf die Nordkehre zu. Was jetzt passiert werden die beiden wohl nicht mehr vergessen. Beim anbremsen der Nordkehre zeigt die Fußbremse keinerlei Bremswirkung - die Bremsleitung ist gebrochen. Die verbliebene Handbremse verzögert nicht wirklich bei dieser Geschwindigkeit und so passierte es: Die Lüdenscheider Rennfahrer flogen durch die Luft. Glück im Unglück, Linnarz landet im sumpfigen Gelände hinter einer Böschung, Hohoff bleibt unverletzt und selbst das Gespann ist nach der Flugeinlage auf dem Nürburgring nur leicht beschädigt. Kaum zu glauben bei diesen Bildern.

Abflug 2

 

 

Unfall auf dem Nürburgring zum Saisonabschluss 1967

 

 

Für die Saison 1968 baut der Monteur von Klaus Enders, Dieter Busch, dem Duo ein neues und sehr leichtes Fahrgestell.

Fahrgestell

 

Der Motor wird in das neue und leichte "Busch-Fahrwerk" eingebaut

 

 

Gespann neu

 

Dieses Schmuckstück wurde einige Zeit im
Lüdenscheider Kaufhof zur Dekoration verwendet.
Ziemlich langweilig für ein Renngespann,
aufregend für die Betrachter.

 

Nachdem Linnarz/Hohoff weitere Meisterschaftspunkte eingefahren und damit die Nationale Rennlizenz erhalten hatten beendete Hans-Richard Hohoff seine aktive sportliche Laufbahn im Motorsport.

Zu dieser Entscheidung hat beigetragen, dass das sehr zeitintensive Engagement im Rennsport und der Aufbau einer selbständigen Existenz nur noch schwer in Einklang zu bringen war. Zudem hat sicher auch der tragische Tod von Johann Attenberger und Josef Schillinger, zwei befreundeten Rennfahrern aus Ebersberg bei München, beim Großen Preis von Belgien in Spa zu diesem Entschluss beigetragen.

Attenberger

 

 

 

 

 

Foto: Schillinger, Arnold, Simmel (Monteur), Attenberger nach einem Sieg in Hockenheim (v.l.n.r) .

Franz-Dieter Linnarz setzte seine Motorsportkarriere mit seinem neuen Beifahrer Rudolf Kühnemund sehr erfolgreich fort.

Besonders hervorzuheben ist sicher der TT Start auf der Isle of Man. Der erster Start auf der berüchtigten Insel und gleich der 5. Platz sprechen für sich.

Franz Linnarz beendet seine Rennsportkarriere nach einem tragischen Unfall bei einem Bergrennen in der Schweiz. Hierbei verletzte sich Rolf Kühnemund so schwer, dass er wenige Tage später an seinen Verletzungen verstorben ist.

Franz Linnarz und Hans-Richard Hohoff leben auch heute noch in Lüdenscheid bzw. Altena. Gemeinsam sind die beiden ab und an auf Motorradveranstaltungen, Oldtimerrennen, u.s.w. anzutreffen.
Hier wird dann mit weiteren Weggefährten des Motorradrennsports über die richtige Abstimmung und Bedüsung gefachsimpelt.

Pokale

 

 

 

Trophäensammlung:
Franz-Dieter Linnarz, Helmut Deutz (Formel 3 Meister 1952),
Günter Braun (Mechaniker) und Hans-Richard Hohoff (v.l.n.r.)